Manche Touren vergisst man, sobald man im Auto sitzt. Und manche schreiben sich ein, weil sie einen fordern, stellenweise fast überfordern, und am Ende trotzdem etwas zurücklassen, wofür man sehr dankbar ist. Der Sandling am Samstag, dem 12. September 2026, gehört für meine Labrador-Hündin Kira und mich klar zur zweiten Kategorie, und dieser Tag hat uns mehr gelehrt als mancher entspannte Sonntagsausflug.
Es sollte unser bislang höchster Gipfel werden: 1.717 Meter, mitten im Salzkammergut. Wir sind noch vor Tagesanbruch losgestartet: im Dunkeln, in Ruhe, nur wir zwei und der Weg. Über die Lambacher Hütte und die Vordere Sandlingalm zog der Aufstieg zunächst ganz gemütlich durch den Wald. Ich dachte mir: Das wird ein entspannter Tag. Ich sollte eines Besseren belehrt werden.
Das Erwachen am Sandlingsteig (Weg 250)
Denn der Weg 250, der Sandlingsteig, klingt in manchen Beschreibungen wie eine „versicherte Wanderung“. In Wahrheit ist er ein echter Klettersteig: Schwierigkeit A/B, rund 850 Meter Länge, etwa 400 Höhenmeter durchgehend seilversichertes, steiles Gelände zwischen Latschen und Fels. Für geübte Klettersteiggeher vermutlich ein Vergnügen. Für einen Hund: etwas völlig anderes.
Das Problem war nämlich nicht die Kondition. Kira ist fit, das hat sie oft genug bewiesen. Das Problem war die Haftung. Auf den glatten Felsplatten findet eine Hundepfote schlicht keinen Halt, und manche Seilstellen ziehen fast senkrecht nach oben. An der einen oder anderen Stelle konnte ich Kira heben und setzen, an anderen ging das nicht. Dort hieß es: Geduld, Stück für Stück, und immer schauen, wo der nächste Halt ist. Wir haben uns hochgekämpft. Aber ich sage ehrlich: Wenn der Abstieg derselbe Weg gewesen wäre, hätte ich die Tour bereut.
Am Gipfel, und ein neuer Rekord
Umso größer war die Freude oben: 1.717 Meter, unser neuer Höhenrekord. Der Blick über das Salzkammergut an einem klaren Septembertag machte vieles wett, und Kira schien zu wissen, dass da oben etwas Besonderes war.
Der Abstieg über den Nordrücken (Weg 251): die Erlösung
Der Abstieg wurde dann das komplette Gegenteil des Aufstiegs: Weg 251 über den Nordrücken: Wanderniveau T3, nur zwei, drei kurze Seilsicherungen, der Rest normaler, gut begehbarer Bergweg. Für Kira kein Vergleich: Sie lief flott und entspannt, ich konnte einfach gehen, statt zu planen und zu stützen. Ehrlich gesagt war es die entspannteste Phase der ganzen Tour, und ich habe mir währenddessen gedacht: So hätte der ganze Tag sein sollen.
Unser Fazit
Der Sandling ist ein wunderschöner Berg, aber mit Hund gibt es genau eine sinnvolle Route: die 251, auf- und absteigend. Die 250 ist und bleibt ein Klettersteig, und der gehört denen, die ihn mit Steigset und klettererprobtem Hund gehen wollen. Für alle anderen, die einfach mit ihrem Vierbeiner wandern möchten: Nordrücken. Immer.
Für alle, die den Sandling mit Hund planen
• Weg 251 (Nordrücken) nehmen, und zwar auf- und absteigend. Die 251 ist etwas länger, aber deutlich entspannter.
• Die 250 (Sandlingsteig) mit Hund meiden: echtes Klettersteiggelände, für Hunde bei weitem nicht so harmlos, wie es klingt.
• Bei Nässe erst recht aufpassen: auf feuchtem Fels gibt es für Hunde null Haftung.
• In Seilstellen kurze Leine, danach wieder frei laufen lassen.
• Wetterfenster checken, wer es verschieben kann, sollte es tun.
Falls diese Erfahrung jemandem hilft, der gerade eine Sandling-Tour mit Hund plant, dann hat sich auch unser Anstieg gelohnt. 🐕⛰️
Tour-Daten: Sandling 1.717 m · Salzkammergut (Salzburg/Oberösterreich) · Aufstieg Sandlingsteig (Weg 250, Klettersteig A/B) · Abstieg Nordrücken (Weg 251, T3) · Mit Hund: nur die 251 geeignet.